Freie Arbeiten
Abseits feierlicher Reden entstehen an meinem Schreibtisch auch immer wieder freie Wortwerke - mal gereimt, mal nicht. Einige Zeilen zum Verweilen findet ihr hier ...
Gedichte
Romantik
Wo ist die Romantik hin?,
fragen sie sich stumm.
Und graben panisch suchend
die ganze Wohnung um.
Versteckt sich nicht im Wäschekorb,
in keiner Tupperbox.
Nicht bei seiner Knirscherschiene,
nicht bei ihren Crocs.
Und so sitzen sie im Chaos
und sehen sich lachend an
-
und sind an der Romantik
plötzlich ganz nah dran.
Tina Turner
Sie wird nie erfahren,
wie’s wirklich klingt,
wenn sie im Bad
laut Tina Turner singt.
Denn auch wenn’s nicht
nach Singen klingt,
was da durch
die Badtür dringt,
hört man,
wie viel Spaß es bringt.
Und ihr Lachen klingt
noch so viel schöner
-
als jeder Song
von Tina Turner.
Hingucker
Wir trafen uns bei Kerzenlicht,
da sah man unsere Macken nicht.
Inzwischen strahlt der Alltag grelle
auf jede noch so kleine Delle
-
und ich habe sie alle ganz gern.
Bescherung
Wir demonstrieren uns unsere Reife
mit guten Büchern
und Geschenksets aus Seife.
Nur um nach drei Wein
endlich
daneben zu sein.
Frage
Frag mich doch was Leichteres!
Ich darf nicht so schwer heben.
Kleingedruckt
Irgendwas steht zwischen uns
und ich kann es nicht lesen.
06:30
Halbschlaf
Halb Mensch.
Sommernachtstraum
Laue blaue Sommernacht.
Musik umspielt die Gäste.
Ein Paar fängt schon zu tanzen an
und Lichter zieren die Äste.
Aperolbeschwingte Leichtigkeit
auf satter, grüner Wiese.
Die Lampions im Apfelbaum
streift eine warme Brise.
Bunte Kleider drehen sich
mal im, mal aus dem Takt.
An den Stühlen baumeln sanft
ein paar herrenlose Fracks.
Zwei Tüchtige singen beim Grillen
und die Grillen singen tüchtig.
Und zwei flüchtige Bekannte
schunkeln gar nicht mehr so flüchtig.
Holunderduft schwebt in der Luft,
es riecht nach länger und bleiben.
Noch bis die Sonne wiederkommt
herrscht barfüßiges Treiben.
Das Buffet wird langsam abgebaut,
auch die letzte Bierbank im Schuppen verstaut.
Doch mein Herz summt unbeirrt die Lieder,
und ich weiß ganz sicher, sie kommt wieder
- diese laue blaue Sommernacht.
Frieden
Mich kriegt man nicht klein,
lächelt der Frieden.
Last Minute
Bring mich auf die Palme.
Bitte.
Heißhunger
Mein Kühlschrank nachts um 4:
Was ist nur los mit dir?!
Abschalten
Das aktuelle Weltgeschehen
lässt mich abends Traumschiff sehen.
Aufbruchstimmung
Ich müsste langsam los.
Mein Fernweh ist so groß.
Morgengebet
Let it snooze.
Let it snooze.
Let it snooze.
Guter Vorsatz
Mein Vorsatz war zu gut für mich
und ließ mich schon ab März im Stich.
Ich war zu schwach,
er wollte mehr
-
der Abschied fiel uns gar nicht schwer.
Verlegt
Es gab so viele Sachen,
die wollte ich noch machen
und hab sie dann einfach verlegt.
Überfall
Er und ich,
allein zu Haus.
Ich pack ihn an,
ich zieh ihn aus.
Völlig überrascht,
in einem Stück vernascht.
Verschling ihn wie ein Tier,
bis auf das Papier.
Was ist nur los mit mir?!
Dass ich mich nie beherrschen kann!
Armer Schokoweihnachtsmann.
Raststätte
Zwischen Autolichtern
und fremden Gesichtern
sitze ich und esse ein Eis.
Vergnügt bei dem Gedanken,
dass ich von niemandem hier etwas weiß.
Betrübt bei dem Gedanken,
dass ich von niemandem hier etwas weiß.
Handwerk
Kann nicht mehr am Schreibtisch sitzen,
muss jetzt einen selber schnitzen.
Mit vier Beinen aus Holz,
aus zwei Händen mit Stolz.
Dann sitz ich später wieder dran
und spüre das Holz
und spür was ich kann.
Und kann nicht mehr am Schreibtisch sitzen,
muss noch einen Hocker schnitzen …
Zeitgefühl
Wer aufhört sie zu messen
und schafft sie zu vergessen,
dem gehört die Zeit.
Abgewandt
Dein schöner Rücken
kann auch bedrücken.
Wetter
Heute kann es regnen,
stürmen oder schneien.
Und ich öffne ein Fenster
bei Google
-
nur um ganz sicher zu sein.
Nachtruhe
Gedanken sind sehr indiskret.
Immer wenn das Licht ausgeht,
fangen sie an zu wühlen
in verborgenen Gefühlen.
Verständnisfrage
Lass ich dich einfach stehen
oder du mich kampflos gehen?
-
Ich kann‘s von hier schlecht sehen.
Abgenickt
Ich lächle
und lächle
und nicke.
Und hab Angst,
dass ich ersticke.
Gewappnet
Als Erwachsene
schlag ich mich wacker;
hab viele Zweifel
und einen Tacker.
Klatsch
Es geht um Haare
und Paare
und die heißeste Ware
-
und eigentlich um nichts
Selbstfindung
Hab mich jahrelang fluchend gesucht
und bis heute nicht gefunden.
Stattdessen bin ich auf dem Weg
Schritt für Schritt verschwunden.
Bevor ich ganz verloren geh,
bleib ich lieber stehen.
Und frag jeden, der vorüberzieht:
Hast du mich gesehen?
Abo
Fristgerecht verpennt.
Bleibe Abonnent.
Lebenslauf
Merksatz für den Lebenslauf:
Schreib nie dein echtes Leben drauf.
Bali
ist nicht meins.
Ich bin Hauttyp 1.
Grenzen
So mühevoll von mir gezogen.
So beiläufig von dir verbogen.
Falsches Pferd
Wie so oft aufs falsche Pferd gesetzt;
es lahmt und hat nur ein Auge.
Doch ich trag es mit Fassung,
denn es trägt mich ja auch,
obwohl ich als Reiter nichts tauge.
Entfernt
Aus den Augen,
aus dem Sinn.
-
Hab gehofft,
wir kriegen‘s besser hin.
Petersilie
Grün schmückt deinen Schneidezahn,
schon fast den ganzen Tag.
Doch wollt ich’s nicht erwähnen,
weil ich dich so gerne mag.
Jetzt ist es auch zu spät,
mit der Wahrheit rauszurücken.
Jede gute Freundschaft
hat so ihre Tücken.
Souvenir
Sie kann zwar kein Chinesisch,
doch sie war mal dort.
Seitdem ziert ihre Rippen
ein unbekanntes Wort.
Zuhause die Ernüchterung,
gegoogelt und bedauert;
statt Liebe, Glück und Zuversicht
-
Schweinefleisch süß-sauer.
Körpergefühl
Stöhnt der Bauch nach Feierabend:
Ich will doch nur was essen!
Dass mich alle nach Gefühlen fragen,
finde ich wirklich vermessen …
Du hast Probleme!, entgegnet der Kopf.
und steckt sich ganz tief in den Sand.
Er würde viel lieber ein Freigeist sein,
stattdessen fordern alle Verstand.
Ist das ein Scherz?!, kreischt da das Herz,
bei mir fragen alle nach Liebe!
Dabei bin ich doch gar kein romantischer Typ,
gar nicht so der Sensible.
Mehrfach gebrochen,
ständig verschenkt.
Hab nun wirklich mehr Arbeit,
als ihr alle denkt!
Naja, wir müssen klimpern!,
schmollen die verbitterten Wimpern.
Und Wünsche erfüllen, beschmiert mit Kajal,
keiner sieht unser Potenzia!
Wir wären auch gern mehr als Schweiß und Deo!,
melden sich die Achseln zu wort.
Stattdessen auf ewig eingeklemmt,
an diesem unwürdigen Ort …
Wenigstens brecht ihr nie Streit vom Zaun,
murmelt ein mittlerer Finger.
Wir sind eigentlich friedliche Zeitgenossen,
keine Freunde von krummen Dingern.
Schließlich klagt auch die Leber ihr Leid:
Die Menschen treiben es viel zu weit!
Trinken mehr Bier als ich fassen kann,
hänge alle paar Tage ‘ne Nachtschicht dran.
An uns wird immer nur kritisiert,
dass doch alles viel straffer sein müsste.
Also heult leise und lasst uns in Ruhe!,
pöbeln Oberschenkel und Brüste.
Da brüllen die kleinen Zehen
wütend in den Radau:
Für euch interessiert sich jeder,
für den kleinen Mann keine Sau!
Wir preschen so oft gegen Kanten,
trampeln beherzt auf Trümmer aus Lego.
Nur damit sie uns bemerken,
nur mal so fürs Ego.
Also hör mal auf dein Ohrgefühl,
was sagt dir denn dein Knie?
Achte jeden Körperteil,
denn er missachtet dich nie.
Verpasst
Nie so richtig hingesehen,
mit halbem Ohr dabei.
Jetzt schau ich auf und stelle fest;
es ist schon längst vorbei.
Google Maps
Wer irrt so spät durch Nacht und Wind?
Ich.
Weil ich den Weg nicht find.
Die Finger taub, die Füße lahm,
seit ich den falschen Abzweig nahm.
Du behauptest zwar, das Ziel sei nah,
doch bin ich noch längst nicht da.
Ich mach es kurz, ich muss gestehen;
ich will nicht länger mit dir gehen.
Dirty Talk
Ich mag’s dreckig!,
gesteht mein Haushalt.
Und errötet.
Los
Ist das jetzt mutig oder einfach nur dumm?
Das wird man mir später schon sagen.
In der Zwischenzeit hol ich den Wagen
und fahr einfach schon mal los.
Und in der wackligen Kiste
auf holpriger Piste,
schau ich hinaus
und find es heraus.
Und fahre
bis ich Zukunft seh.
Oder mir
der Sprit ausgeht.
Candle-Leid
Zwei allein
im Kerzenschein.
Genießen das
Beisammensein.
Erst der Wein
und dann die Worte.
Plötzlich von der
ernsten Sorte.
Sie haben Zeit
und gehen zu weit
und verlassen die üblichen Phrasen;
die Kinder, das Haus und den Rasen.
Glas um Glas,
über das Maß,
wagen sie Fragen,
gehen sich an den Kragen.
Schenken sich die Wahrheit ein.
Im Kerzenschein.
Zwei.
Allein.
Bahngedicht
Einer telefoniert.
Zweiunddreißig nicht.
-
Bahngedicht
Hobbypsychologe
Er steht bereit mit Rat und Tat,
er glättet jede Woge.
Ganz ungefragt und kostenlos;
der Hobbypsychologe.
Beziehungsauflösung
Händchenhalten weg,
nicht mehr unser Stil.
Respekt kann in den Keller,
ist ja eh nicht mehr so viel.
Humor kommt in die Kisten,
deine Meinung in den Sack.
Mein Körper auf den Flohmarkt,
trifft nicht mehr dein‘ Geschmack.
Die Küsse sind noch gut,
die kann man noch verschenken.
An Freunde und Kollegen;
wen würde man noch kränken?
Gemeinsam und mit letzter Kraft
haben wir uns abgeschafft.
Übriggeblieben
nur die Sehnsucht zu lieben.
Dokus
Immer wenn ich Dokus seh,
tut’s mir in der Seele weh.
Aber nur für ein zwei Stunden,
dann hab ich’s überwunden.
Mache alles so wie immer.
Mache alles nur noch schlimmer.
Luftschloss
Hocke auf der Leiter,
schraube immer weiter.
Denn jeder neue Traum
verdient auch einen Raum.
Manchmal Jahre festgebissen,
manchmal einfach abgerissen.
Trümmer aus dem Weg geschoben,
neu geplant, neu angehoben.
Schnaufend stehe ich davor
und mir wird klar wie nie;
mein Schlösschen ist viel eher
´ne Laubenkolonie.
Aus
Alles aus
zwischen uns.
Der Fernseher.
Das Handy.
Das Licht.
Endlich freie Sicht.
Beste Unterhaltung,
wenn mal niemand spricht.
Vorreiter
Mutig wagt er neue Wege,
prescht im Galopp voran.
Stellt erst auf halber Strecke fest;
keiner schließt sich an.
Mag sein, dass niemand zu ihm hält,
doch niemand hält ihn auf!
Ohne einen Blick zurück
steigt er wieder auf.
Und so reitet er noch heute
-
mal mit,
mal ohne Leute.
Mülltrennung
Die Liebe ist weg.
Sie trennen sich auf.
Die Kinder, den Hund
und als letztes das Haus.
Nur ihren Müll,
den trennen sie nicht.
Den schleppen sie mit sich
bis vors Gericht.
Wühlen wild in den Fetzen,
um sich blind zu verletzen.
Munition aus einem früheren Leben.
Und können nicht vergeben
-
am wenigsten sich selbst.
Letzte Ausfahrt
Nach Hause auf der Autobahn.
Oder einfach weiterfahren …
Hausmeister
Er war der Meister seiner Häuser,
regierte Treppen, Keller, Kies.
Doch seit alles Englisch wurde
managt er Facilities.
Stillleben
Die Nachbarn von oben,
die singen
und toben.
Und ich
liege lange
schon wach.
Und beginne mich leise zu fragen
unter der Decke begraben
"Wann mach auch ich
endlich wieder mal Krach?"
Straßenlaterne
Sie spendet Licht
auf allen Wegen
und wer zu cool ist
läuft dagegen.